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Mit Flipper ausflippen
 
Montag, 26. März 2007

Mit Flipper ausflippen

von Jenny May

2007 ist Jahr des Delfins. Haben Sie schon daran gedacht? F: PixelQuelle.de
Mehr noch als an Speedy Gonzales, ?Die schnellste Maus von Mexico?, erinnere ich mich an den unvergesslichen Serienhelden meiner Kindheit, den klugen Delfin ?Flipper?. (Nur Hündin Lassie kann da mithalten.) 2007 ist das Jahr des Delfins. Haben Sie schon daran gedacht? Nicht wissen macht nicht immer nichts. Ich meine: Denken Sie bitte nicht, dass Delfine ihr Leben in Gefangenschaft auf die leichte Schulter nehmen. Sie leiden. In freier Wildbahn ist ihr Leben zunehmend in Gefahr.
Meine Theorie, nicht nur für diese Kolumnenwoche: die schönste meiner schönen Fernsehserien trug einerseits zum Flipper-Delfin-Kult bei, zur Anbetung dieser Wanderer durch die Ozeane, aber leider auch dazu, dass zunächst in Amerika, später auch in Europa, schließlich weltweit unzählige Delfinarien gebaut wurden. Dieser Trend reißt seit Beginn der legendären TV-Serie im amerikanischen Fernsehsender NBC am 19. September 1964, nicht ab. Zur Zeit ist vor allem die Dominikanische Republick in der Karibik, außerdem China dran, sagen Experten. Dazu wird in Japan die Hatz auf wild lebende Meeressäuger gemacht. Die landen dann für viel Geld in Delfinarien-Becken, die im Vergleich zum Lebensraum Ozean mehr als winzig sind.

Kein Wunder also, dass immer mehr Flipper ausflippen und ihre Wärter anfallen. Zwischen 1973 und 1989 röchelten allein in den USA von 1.206 Delfinen in Gefangenschaft über 600 ihr Leben aus. Die Hälfte der Tiere also. Ist es das, was der Mensch für ein paar Hüpfer im Wasser auf Augenhöhe möchte? Nicht Ihr Ernst, dass Sie daran Freude haben oder? Auch Kindern kann man eine Menge erklären. Etwa, dass das Wasser, in dem die beliebten, aber nicht geliebten Tiere, ihr Leben verbringen müssen, nicht selten gechlort ist. Könnten Sie sich vorstellen, lebenslänglich brennende Augen zu haben? Tote Fische ins Maul zu bekommen und dann aber, allér hop ?einen Sprung nach dem anderen zeigen zu müssen?
Oh, sicher es gibt Unterschiede in der Haltung, doch artgerecht klingt hier nicht nach dem, was ist. Sicher ist auch, die Tiere können keine Protestbriefe schreiben, aber Sie! Sie bräuchten, um diesen Meeressäugern zu helfen, zum Beispiel einfach nur unterschreiben. Sie könnten allerdings auch eine Tierpatenschaft aufnehmen oder eine verschenken. Oder es einfach lassen, dort Geld auszugeben, wo die Tiere für Sie in die Arena steigen müssen. (Homepage der Whale and Dolphin Conservation Society: www.wdcs-de.org.)
Ganz ehrlich: Ich habe es schon als Kind abgelehnt, ein Delfinarium zu besuchen. Ich wurde gefragt und habe nein gesagt. Übrigens drehte man bis 1968 ganze 88 Folgen von ?Flipper?. Jede davon 25 Minuten, konnten die deutschen Zuschauer ab Januar 1968 erstmals auf der Mattscheibe verfolgen. Mitzi hieß das erste Schauspieler-Delfinweibchen.

Zum Abschluss noch etwas Weltsicht: Wussten Sie, dass Delfine 55 Kilometern pro Stunde schnelle Schwimmer sind, sich in Gruppen von bis zu 1000 Tieren zusammenschließen und zu den Zahnwalen, damit der vielfältigsten und mit rund 40 Arten der größten Familie der Wale gehören? Sie spielten in der griechischen Mytologie eine Rolle, tauchen aber auch in der modernen Mythologie und Esoterik auf.

?Das Jahr des Delphins 2007? soll Bewußtsein für wild lebende Define schaffen, Gefahren und deren auf dem Spiel stehenden Überlebenschancen in einem Raum, der auch von uns Wassersportlern beeinflußbar ist, verdeutlichen. Denn Delfine brauchen saubere Ozeane, Schutzgebiete und Menschen, die dafür Sorge tragen. Die Weltklasse-Schwimmer Christian Keller und Christof Wandratsch sind Botschafter der Initiative ?Year of the Dolphin 2007?.

Schirmherr ist übrigens Fürst Albert II von Monaco. Auch er weiß, dass das Wohlergehen vieler Delfinpopulationen weltweit durch Beifang, Umweltverschmutzung, Zerstörung der Lebensräume, Überfischung und Klimawandel bedroht ist. Dazu gehören auch Schiffsverkehr, Windkraftanlagen, seismische Untersuchungen und militärische Sonarsysteme. Denn große Tümmler werden von amerikanischen und russischen Militär gehalten, um Seeminen an feindlichen Schiffen anzubringen oder Feind-Minen zu entschärfen. Die Natur kennt diese Art von Militärdienst sicher nicht ? nur der Mensch.

Die richtige Mannschaft an Bord mit einem Delfin auf hoher See, der Sie und Ihr Schiff in freier Wildbahn begleitet wünscht Ihnen Jenny May

PS: Zum Schluß noch der Flipper-Song der schönen TV-Serie:
"Man ruft nur Flipper, Flipper,
gleich wird er kommen,
jeder kennt ihn - den klugen Delfin.
Wir lieben Flipper, Flipper,
den Freund aller Kinder,
Große nicht minder,
lieben auch ihn."



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