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Südafrikas Seele segelt
 
Montag, 05. Februar 2007

Südafrikas Seele segelt

von Jenny May

Team Shosholoza ist im America?s Cup Symbol für einen Optimismus, den Südafrika nach Überwindung der Apartheit der Welt näher bringen will. F: May
Stellen Sie sich vor, Sie haben das Meer als Kind nicht sehen können, weil Sie aus einem südafrikanischen Township kommen, folglich dort nicht heraus kamen. Der Besuch am Meer galt als Luxus, Sie kannten nur die Richtung des Horizontes, wo das Meer Sie eines Tages in die Arme geschlossen haben würde. Sie sind schwarzer Hautfarbe und Segeln gilt als Sport der Weißen. Sie erinnern sich, dass Sie später als Sie endlich die Brise im Gesicht spürten und den Wellen ihr ganzes Herzblut schenkten, dass Sie aufgrund ihrer Hautfarbe nur bestimmte gekennzeichnete Strandabschnitte benutzen durften. Sie sagen über sich selbst, dass Sie als Kind viele schreckliche Dinge gesehen haben, die Sie nie loslassen werden. Sie tragen die geschundenen Seelen ihrer Vorfahren in sich, die nie über ein Meer segeln konnten, weil ihr Leben von Apartheid bestimmt wurde.
Und weil Sie in dieser sozial benachteiligten Situation waren und die Apartheid in ihrem Land abschafft wurde, kommt ein Mann Namens Ian Ainslie und verändert Ihr schwarzes Leben in einen wahren, bunten Traum. Der weiße Südafrikaner gründete 1997 die Izivunguvungu-Segelschule und ist heute Steuermann des ersten America?s Cup Teams des Kontinents. Nun stellen Sie sich vor, Sie sind der erste Schüler dieser Segelschule. Und: Sie sind der jüngste Mann im Team Shosholoza. Dieser Mann heißt Marcello Burricks. Der Südafrikaner ist Allrounder an Bord.
Er erlebte mit Solomon Dipeere (ebenfalls Schüler der Izivunguvungu-Segelschule) wie in der Schule die weltweit erste America?s Cup-Yacht der fünften Generation ? die RSA 83 gebaut wurde. Dipeere ist zweiter Pitmann an Bord. 24 Mann stark ist die Shosholoza-Crew. 80 Prozent sind schwarze Segler. Der Deutsche Tim Kröger ist Boat Captain (Bootskapitän). Der 42jährige aus Hamburg ist der einzige mit America?s Cup-Erfahrung an Bord und doch hat das Team bereits in den Vorregatten brilliert, liegt zur Zeit auf Platz acht und gilt als das Team der Herzen. Skipper des jüngsten Teams im America?s Cup ist Teamstratege, Mark Sadler, 30, erfolgreicher südafrikanischer Rennskipper.
Vater der Shosholoza-Kampagne ist übrigens ein Italiener. Es ist der aus Neapel stammende und seit über 20 Jahren in Südafrika lebende Salvatore Sarno ? er treibt die Idee vom ersten afrikanischen Team am America?s Cup höchst erfolgreich voran. ?Die Kampagne versteht sich nicht ausschließlich als Segelprojekt? sagt er. Es gehe auch darum, der Welt das Team als "Botschafter des neuen Südafrikas" zu zeigen (...) Wir wollen auch ein Stück südafrikanische Lebensfreude und die Farbenvielfalt der Regenbogen-Nation in den Cup bringen?.
Den Rumpf der RSA 83 ist bunt und zeigt Symbole aus der Kunst der Völker der Ndebele, Zulu und Xhosa. Der Name des Teams, Shosholoza, ist ein Wort aus der Sprache des Volkes der Zulu, gleichzeitig der Refrain eines Liedes mit einer afrikanischer Tradition. Es meint etwa ?mutig nach vorn schauen" oder "die Ärmel hochkrempeln und wurde u.a. von Minenarbeitern auf dem Weg in die Gruben gesungen. Heute ist es Teil der gesamten südafrikanischen Kultur die in Rugby- und Fussballstadien zu hören ist. Patron des Teams ist Friedensnobelpreisträger Desmond Tuto.
Syndikatschef Sarno sagt: ?Der Cup ist die beste Möglichkeit um den Menschen in der Welt zu erklären, das Afrika mehr ist als das Land der Zebras und Elefanten.? Nun hat Team Shosholoza Ellen MacArthur, schnellste Einhandseglerin der Welt, eingeladen als 18. Mann (Gast) auf dem Cupper der Männer Afrikas mitzusegeln. Was wird das wohl für ein unvergeßlicher Augenblick?
Den ersten Sieg in einer Vorregatta des weißen Sports widmete das Team Shosholoza Nelson Mandela.
Denken Sie daran, Sieg ist nicht alles, vor allem nicht im sportlichen Wettstreit auf dem Wasser. Wir sind die Glücklichen, die auf den Schiffen über die Weltmeere fahren.
Ihre Jenny May


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