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Samstag, 25. November 2006

Vorurteile

von Ralf Küpper

Auslegerkanu in der Gischt
Manche denken, Segler würden den ganzen Tag im herrlich blau-türkisen Wasser schwimmen und fernab von einladenden Restaurants nur von selbstgefangenem Fisch leben. Hört sich gut an, aber der Tag könnte auch anders aussehen. Vielleicht verläßt der Segler früh am Morgen die Marina, um mit der Kraft einer steten Brise die nächste Bucht zu erreichen. Der Anker fällt und zwischen Schwärmen bunter Fische, kommt es zu einem erfrischenden Bad. Der Lunch ist schon vorbereitet, die Langusten schmecken hervorragend. Noch ein Sonnenbad und schon geht es zurück in die Marina, die es gilt vor Sonnenuntergang zu erreichen. Denn hier wartet ein netter Spaziergang an der Pier, abgerundet von einem Gläschen im Hafenrestaurant, mit netten Leuten.
Und wie berauschend klingt die Legende vom gestählten Segler, der trotz großer Enge an Bord, seinem Körper eine stetige Fitness ermöglicht. Einige einsame Übungen auf dem Vordeck können die Verfallserscheinungen des krassen Bewegungsmangels aber bei weitem nicht ausgleichen. Und so führen die ständigen gesellschaftlichen Anläße in Begleitung exquisiter Speisen und kalorienhaltiger Getränke, geradeaus in das satte Gegenteil von Fitness.
Und was ist, wenn sich die nächste Marina, trotz der vielen Inseln rund herum, tausend Seemeilen entfernt befindet? Wenn der herrliche selbstgefangene Fisch, besser erst nach eindeutigem Ratschlag der einheimischen Fischer zu genießen ist? Und wenn es so etwas wie ein Restaurant gibt, aber nur ein Gericht? All das unter einem Wellblechdach, gegen das im Schein grellen Lichts, monströse Käfer krachen. Auch die Strandromantik bleibt nüchtern, weil der nächtliche Badeausflug, wegen der größeren Meeresmitbewohner, wieder einmal ausfällt. Die Hoffnung bleibt, das die See uns einer zurückhaltenden und gesunden Lebensart wieder näher bringt, und dem, was wir am meisten vermissen - Wind in den Segeln!

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