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Tropische Gelassenheit
 
Montag, 30. Oktober 2006

Tropische Gelassenheit

von Ralf Küpper

In der Marina Benoa im Süden der Insel Bali ist Mittagszeit. Kein Lüftchen regt sich, die Sonne prallt unerbittlich vom Himmel herab. Alles sucht den Schatten, nur der schwergewichtige englische Skipper jagt seinen balinesischen Techniker per Seemannsstuhl ins Masttop. In der Marina ist nicht ein Liegeplatz mehr frei. Wer hier liegt, hat sich bereits einige Zeit vorher angemeldet, verkündet der Marina-Manager. Das hat seinen Grund, denn zwischen Bantam im Westen und Timor im Osten, dort wo sich die durchreisenden Segler in Indonesien Ein- oder Ausklarieren, ist Benoa die einzige Marina weit und breit. Auch für kurze Abstecher nach Lombok, Flores oder Nusa Tenggida ist der Hafen geeignet.

Der australische Skipper stöhnt, seine Haut ist gerötet und er schwitzt. Er kommt gerade von Timor. Die letzten 20 Tage habe er nur fünf Stunden segeln können, so wenig Wind gab es. Zwischen den Eilanden, der sich von Bali aus nach Osten ziehenden Inselkette, ist der Strom manchmal 6-8 Knoten stark. Für die letzten 40 Seemeilen hat er ganze 10 Stunden gemotort und sehr viel Diesel verbraucht. 18 Tonnen fordern ihren Preis. Mit einem Lächeln sagt er: ?Ich habe ganz einfach die Geduld verloren.? Darüber können die einheimischen Fischer, die täglich Ein- und Aulaufen, nur müde schmunzeln. Mit ihren leichten Booten und einem manchmal noch zerissenen Dreieckssegel, reicht nur ein Lufthauch, um vorwärts zukommen.

In diesem Sinne: ?Wo zwei zusammenstoßen, siegt der Besonnene.? (Laotse)

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