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Betty Overboard
 
Montag, 23. Mai 2016

Betty Overboard

von Yachtrevue

Kollateralschaden. Ein Pärchen-Törn kann bisweilen zu unbeabsichtigten Wenden führen

Ich befinde mich, Pardon, wir befinden uns in einem Stadium des Ehelebens, in dem lästige Gewohnheiten des jeweils anderen schöngeredet, toleriert oder ignoriert werden. Das hat große Vorteile, auch wenn meine Frau diese gelegentlich als Nachteile bezeichnet. Proportional zur internen Toleranz wächst jedoch die Intoleranz gegenüber den Eigenheiten anderer Paare.
Ausgerechnet in diesem Lebensabschnitt einen Pärchen-Törn anzugehen ist also mutig. Es bedeutet: Vier wohl gereifte Ehepaare vierzehn Tage lang auf einer einzigen Yacht. Als wir zum ersten Mal über die Länge eines dafür geeigneten Schiffes nachdachten, sagte mein weiser Freund Toni: „Da brauch‘ ma ka Fuffziger, da brauch‘ ma a Zwahundertfuffziger“.
„Wurscht ob Fuffziger oder Zwahundertfuffziger – wenn du auch nur ein einziges Mal ‚die beste Ehefrau von allen‘ sagst, schmeiß‘ ich dich ohne Vorwarnung über Bord“, drohte ihm Fritzi postwendend. „Einverstanden. Aber wenn ich einmal ‚Misses Columbo‘ höre, erschieß ich dich mit der Signalpistole“, wandte sich Toni mit geballter Faust an mich.
Offenbar vom selben Gedanken beseelt, nahmen Toni, Fritzi und ich fast gleichzeitig den bisher sehr ruhigen Bob in die Zange: „Kein Zieslschneckerl!“ – „Kein Schniedlbretzerl!“ – „Kein Eichlhaserl!“
Damit waren die Spielregeln aus männlicher Sicht geklärt. Den Umgang mit den Ehefrauen der jeweils anderen Männer beschrieb der weise Toni so: „Wir werden allfällige Kritik in Komplimente verpacken.“
Gesagt, getan. Der zunächst laue Mai förderte gar seltsame Kojen-Geräusche, was auch der Stimmung an Bord äußerst zuträglich war. Erst als das Wetter kippte, mussten wir auf Tonis Taktik – „Kritik in Komplimente verpacken“ – umschalten. Daraus ergaben sich folgenden Dialoge, allesamt mit unserer Mitseglerin Betty geführt:

Betty: „An welchem Band muss ich ziehen, damit das Boot wieder gerade steht?“
Fritzi: „Gut dass du so mitdenkst! Aber zieh dir bitte zuerst diese aufblasbare Bluse mit dem gelben Sicherheitsgurt an.“

Betty: „Darf ich auf dieser Schnur die Geschirrtücher trocknen?“
Toni: „Schön, dass du so viel für die Gemeinschaft tust. Vielleicht findest du ja eine noch bessere Leine als meine Spinnaker-Schot.“

Ich: „Welcher Volltrottl hat die Luke über dem Kartentisch geöffnet?“
Betty: „Wenn du das Fenster auf der rechten Seite meinst, dann war ich das. Weil’s so stickig war im Wohnzimmer.“
Ich: „Danke, dass du so aufmerksam an unser Wohlbefinden denkst, aber wir segeln und sind daher eh alle an der frischen Luft. Und weißt du, seit der letzten Wende liegt die Luke oft ein bisserl unter der Wasseroberfläche. Aber Schwamm drüber, die Papiere werden schon wieder trocknen.“
Betty: „Ja, sicher. Spätestens, wenn du dann wieder das linke Fenster ins Meer tauchst.“

Wichtig zu erwähnen: Die drei anderen Damen segelten wie die Teufelinnen.

Er: „Du Zuckerstück meines allerbesten Freundes: Lässt du mich bitte auch einmal kurz ans Ruder?“
Sie: „Vergiss es!“

Auch darum beschlossen wir, das Weltwunder Pärchen-Törn ein Jahr später zu wiederholen. Mit einem etwas kleineren Boot, denn Bob konnte nicht mitfahren. Er musste ja ausgerechnet im Mai – elf Monate nach seiner Scheidung – wieder heiraten. Übrigens mit einem Standesbeamten und zwei Trauzeugen auf der Shark seiner Neuen mitten auf dem Attersee. Seither behaupten seine ziemlich besten Freunde, dass „Bob“ kein Name, sondern nur eine Abkürzung sei. Und zwar für „Betty overboard“.

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