Merkzettel / Clipboard
Language Chooser Language Chooser

 
Meine Yacht, deine Yacht: Segeln muss nicht teuer sein! (Von Alternativen zum Yacht-Kauf)
 
Freitag, 01. Januar 2010

Meine Yacht, deine Yacht: Segeln muss nicht teuer sein! (Von Alternativen zum Yacht-Kauf)

von Matt - Muencheberg

Die Schweiz macht es erfolgreich vor: Sailbox heisst dort das Boat-Sharing-Modell, welches immer mehr Anhänger findet. Foto (c) SailBox
Chartern? Mieten? Oder sich lieber doch eine Yacht teilen? Und wenn teilen, wie? Sollte man eine Eigner-Gemeinschaft bilden? Oder eine Yacht „sharen“? – was zwar auch so viel wie „teilen“ bedeutet, aber eben doch etwas völlig anderes meint. Wer nicht als (Allein-) Eigentümer eine Yacht besitzen will, oder sich finanziell nicht so stark engagieren möchte, kommt nicht umhin, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Bei einer Eigner-Gemeinschaft wird eine Yacht gemeinsam gekauft. Jeder Einzelne unterzeichnet den Kaufvertrag – und wird im Gegenzug auch entsprechender Anteils-Eigner. Alternativ bietet sich auch eine Unternehmensform wie die GbR an, in der jeder Teil-Eigner dann Gesellschafter wird. Diese Gesellschaft muss nicht erst gegründet werden, tatsächlich wird sie – aus rechtlicher Sicht – wohl schon bestehen, wenn man sich nur zum Zwecke des Kaufes einer Yacht zusammentut. Zwar teilen sich die Eigner hier die Kosten der gesamten Yacht. Trotzdem können diese immer noch sehr hoch ausfallen – abhängig von der Anzahl der Miteigner und des Kaufpreises. Je mehr Anteils-Eigner, je besser, könnte man nun meinen. Doch: je mehr Eigner sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, je mehr Probleme können auftreten – nicht nur, was die zeitliche Verfügbarkeit des schwimmenden Untersatzes betrifft. Was tun, wenn einer der Eigner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt? Hier sollen schon selbst langjährige Freundschaften auseinandergebrochen sein. Zudem ist man mit der Yacht – mehr oder weniger – an ein bestimmtes Revier gebunden. Alternativen? Nun, man könnte sich natürlich eine ältere, aber preiswerte Yacht – allein – zulegen. Vorteil: Man kann allein bestimmen, wo es lang geht, sich einrichten, wie man will, und sich stolz Eigner nennen. Nachteil: der Kostenfaktor. Und zwar werden hier insbesondere Folgekosten für Reparturen, Ersatzteile, Refits fällig – die sollte man bei einem älteren „Schmuckstück“ immer mit einrechnen. Eine andere – echte – Alternative könnte Yacht-Sharing sein. Das gibt es schon bei Autos (Carsharing), bei Wohnungen (Time-Sharing), und seit einiger Zeit gibt es sogar das sogenannte Couchsurfing, bei dem Sofas „geshared“ werden. Das Prinzip ist immer dasselbe: Einer hat etwas, was er gerade nicht benötigt. Der andere will etwas haben, für das er nicht viel bezahlen will, es nicht als Eigentümer besitzen – und vor allem: flexibel bleiben will. Seit einiger Zeit können nun auch Boote und Yachten „geshared“ werden. Die Schweiz macht es erfolgreich vor: Sailbox heisst dort die gemeinnützige AG. Diese „bezweckt die gemeinsame Nutzung von Booten in der Schweiz und im Ausland“, wie es in den Statuten heißt. Die Gesellschaft vermietet offiziell Boote an Privatpersonen, Vereine und Gesellschaften und erbringt Dienstleistungen im Bereich des Segelsportes. Weiter: „Die Erfüllung des Gesellschaftszwecks erfolgt, wenn möglich, in Zusammenarbeit mit Partnern, namentlich mit Swiss Sailing und seinen angeschlossenen Clubs und Vereinen, SailCom, der Match-Race AG und anderen Event-Organisatoren, Mobility Car-Sharing, dem Bundesamt für Sport, Jugend+Sport, Segelschulen, Ausrüstern, Sponsoren sowie weiteren nationalen oder internationalen Partnern“. Und: die Gesellschaft kann Organisationen beitreten. Swiss Sailing interessierte sich sehr für das Projekt. Der Verband sah darin eine gute Möglichkeit, möglichst vielen Menschen problemlos, und ohne Zugangshürden und weitere Verpflichtungen den Zugang aufs Wasser zu ermöglichen. Andererseits suchte der Verband eine Plattform, um Segelevents an verschiedenen Orten in der Schweiz auf gleichartigen Yachten durchführen zu können. Folgerichtig beteiligte sich Swiss Sailing an der Sailbox. Deren Macher schätzen sich nun glücklich eine „Swiss Sailing Company“ zu sein. Eine „Win-win-Situation“ für alle Beteiligten, könnte man meinen. Auch in Deutschland wird die Möglichkeit, durch Teilen von Booten bares Geld und lästigen Verwaltungs- und Wartungsaufwand zu sparen, schon genutzt. So lässt sich nicht nur der Kostenaufwand pro gesegelte Stunde auf dem Wasser optimieren; auch für die vielen „Vereins-Muffel“ ist das eine gute Alternative für das nahe (Binnen- oder Küsten-) Revier. "Bootschaft“ haben etwa die Hamburger Peter Sorowka und Marius Schmeding ihr Projekt genannt. "Segeln und segeln lassen", lautet ihr Boat-Sharing-Motto. Das Konzept scheint aufzugehen. Ein gutes Beispiel dafür, dass man Dinge nicht mehr unbedingt als Eigner besitzen muss. Die Miete als Besitzform reicht völlig aus. Das liegt auch – zumindest bei jüngeren Nutzern voll im Trend. Die pfeifen immer mehr auf Eigentum als Statussymbol, mag es sich nun um Häuser, Autos oder eben Yachten handeln. Auch viele Segel-Vereine müssen sich neu definieren, wollen sie überleben, und auch in zehn Jahren noch jüngere Mitglieder haben. Auch für sie könnte Boat- oder Yacht-Sharing eine zeitgemäße, praktische – und vor allem preiswerte – Möglichkeit für Interessenten sein, zu segeln, und um Anfänger für diesen tollen Sport zu begeistern. Zwar wird sich das Teilen eines schwimmenden Untersatzes wohl zunächst nur für kleinere Boote wie Jollen, Jollenkreuzer, kleinere Kielboote oder ähnliche Boote anbieten. Und auch in Bezug auf das Revier wird wohl zunächst eine Anwendung auf die heimischen (Binnen-) Seen der Umgebung oder die Küste Sinn machen. Wer weiter und größer hinaus will, ohne gleich Eigner oder Teil-Eigner sein zu wollen, der wird wohl auch weiterhin ganz konventionell chartern. Auch hier sind zwar Sharing-Modelle denkbar, aber wohl mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand und Risiken für Eigentümer – und Mieter verbunden. Meine Yacht – deine Yacht? Mein Haus, mein Auto, mein Boot? Schnee von gestern!

Kommentare zu dieser Kolumne

Noch ist kein Kommentar vorhanden. Sie können der erste sein!


Ihr Kommentar

Ihnen gefällt diese Kolumne? Sie sind einer komplett anderen Meinung als der Autor? Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar.

Name
Kommentar
Sicherheitscode: