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Power auf zwei Rümpfen (Von Motor-Kats, die die Wasser-Welt erobern)
 
Freitag, 01. Januar 2010

Power auf zwei Rümpfen (Von Motor-Kats, die die Wasser-Welt erobern)

von Matt - Muencheberg

Komfortabel, geräumig - und trendig: die neue Lagoon 630. Nur ein Beispiel von vielen für die neue Generation von Motor-Kats. Foto (c) Lagoon
Die diesjährige boot in Düsseldorf hat es gezeigt: Motorisierte Doppelrümpfer sind en vogue. Fast alle renommierten Segelkatamaran-Hersteller haben pünktlich zum Beginn dieser Saison zusätzlich auch Motor-Kats im Programm oder arbeiten unter Hochdruck daran. Die Vercharterer beobachten schon seit längerem einen Trend zum Motor-Kat; erst jüngst hat Moorings etwa den 514 PC vorgestellt, der ab sofort im Mittelmeer buchbar ist. Bavaria stellte in Düsseldorf einen neuen „Open 40“-Motor-Kat vor, Fountaine Pajot zeigt auf der International Multihull Boat Show Mitte April in La Grande Motte ihre neue MY 37, Jaguar Catamarans die Jaguar 48 PC und Leopard Catamarans die neue Leopard 51 PC. In La Grande Motte werden auch die ersten Entwürfe des neuen Power Cat 40 von Nautitec Catamarans zu sehen sein. Noch nicht zur Messe fertig, aber für Ende April angekündigt, ist die mit Spannung erwartete erste Neel 65 von Neel Trimarans – auf drei Rümpfen, aber ebenfalls ausschliesslich angetrieben durch Motorkraft. Die Liste liesse sich fast beliebig fortsetzen. – Von Seglern noch immer ein wenig belächelt, muss die Frage erlaubt sein: Was sind das eigentlich für Wassersportler, die nicht nur freiwillig einen gegen zwei Rümpfe tauschen, sondern auch noch gänzlich auf ein Segel-Rigg verzichten? Die Antworten sind eindeutig: Insbesondere beim Chartern werden motorisierte, mastenlose Kats immer häufiger gefordert – und demzufolge auch angeboten. Die Gründe für die Wahl eines Motor-Kats sind dabei vielfältig: Sie sind geräumiger, bieten breitere Decks, mehr Stauraum und mehr Privatsphäre. Und: sie liegen stabiler im Wasser als ein Monohull. Der Drink bleibt auf dem Cockpit-Tisch stehen, sogar dann, wenn sich die Yacht in Fahrt befindet – welch ein Luxus! Die Motor-Kats manövrieren sich gut, sie segeln, sorry: fahren – aufrechter, und der Törn gestaltet sich damit in den Augen vieler ungleich komfortabler. Sportlich ambitionierte Wassersportler werden wohl weiterhin einen Monohull wählen – doch wem es weniger auf Regatta denn auf Relaxen ankommt, ist mit einem Katamaran wohl besser bedient. Das kann durchaus Sinn machen, wenn ungeübte Crews an Bord sind oder Familien mit Kindern. Geradezu unerlässlich ist ein Kat jedoch, will man grossflächige Flachwasserbereiche per Boot erkunden. Hierzu sind Doppelrümpfer geradezu prädestiniert – wegen ihres geringen Tiefganges. Natürlich kann man auf Katamaranen (und Trimaranen) auch sportlich segeln – sehr sportlich sogar. Die Extreme Sailing Series mit ihren gleichnamigen 40-Füssern, die GC 32-Racer oder – prominentestes Beispiel – der America`s Cup mit seinen Foils genannten Tragflächen belegen das eindrucksvoll. „Motorisierte Fahrten-Kats“ heisst das Stichwort. Die Zeiten änderten sich, schreibt Katamaran-Expertin Christina Gödelmann-Godde in ihrem Vorwort zum Katalog der Messe „Les Occasions du Multicoque“, einer Gebrauchtboot-Messe ausschliesslich für Mehrrumpfboote, die Anfang Oktober in Canet En Roussillon läuft. Vor 30 Jahren sei die Mehrrumpf-Industrie noch ein Nischenprodukt gewesen – und heute habe sie sich bereits zu einem „Zugpferd der Bootsindustrie“ entwickelt. Der Katamaran-Markt wachse zwischen drei und fünf Prozent im Jahr, sagt Gödelmann-Godde; die Kunden seien entweder (zu einem Drittel) neu auf dem Bootsmarkt, oder sie hätten vorher ein Einrumpf-Segelboot oder eine Motoryacht besessen. Die Mehrrumpf-Schiffe entsprächen den Erwartungen der Neuzugänger, und die Boote böten viel gewünschten Raum und Komfort, so die Expertin. Die 514PC-Motorkatamarane etwa seien gemütliche Cruiser und hätten darüber hinaus auch noch einen sparsamen Treibstoffverbrauch von acht bis zwölf Litern Diesel bei mässiger Geschwindigkeit von rund 15 Knoten (knapp 30 km/ h), heisst es von Moorings. Noch sparsamer ist man da wohl nur mit einem Segel-Kat unterwegs.

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