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Thors Hammer (Was SUV´s mit Außenbordern – und mit Naval Design zu tun haben)
 
Freitag, 01. Januar 2010

Thors Hammer (Was SUV´s mit Außenbordern – und mit Naval Design zu tun haben)

von Matt - Muencheberg

Funktion trifft Design - am und auf dem Wasser: Rolf Vrolijk bei unserem Treffen im Port Roda de Bara vor dem neuen XC90 T8. Foto: Christian Bittmann.
Gegründet 1927 in Schweden. 1999 von Ford übernommen. Und seit 2010 in chinesischer Hand. Die letzte Übernahme hat Volvo nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: unter dem Dach der Zhejiang Geely Holding wurden 2014 mehr als 465.000 Fahrzeuge in 100 Ländern verkauft. Die grössten Werke befinden sich aktuell in Göteborg, Gent und Chengdu. Motoren werden im schwedischen Skövde und im chinesischen Zhangjiakou produziert. Aufbauend auf der neuen modularen Produkt Scalable Architecture (SPA) – Plattform und dem erfolgreichen Drive-E-Powertrain hat das chinesisch-schwedische Unternehmen nun den 7-Sitzer-SUV XC90 T8 vorgestellt. Was der mit Außenbordern zu tun hat? Nun, der „Neue“ ist Plug- in- Elektroauto, Hybrid- und Hochleistungsauto in einem – und soll 400 PS/ 640 Nm leisten, dabei aber nur 59 g CO2/ km emittieren und lediglich 2,5 l/ 100 km verbrauchen. Möglich macht das eine Kombination aus einem 2,0-Liter-Benzin-Motor mit Turbo- und Kompressor-Aufladung – und einem Elektromotor. Der treibt bei Bedarf die Hinterräder an. Man könnte auch sagen: der achtern, wie bei einem Boot, seine Kraft entfaltet, ”ähnlich wie ein Außenborder”, sagt denn auch ein Volvo-Mann bei der Fahrvorführung im spanischen El Vendrell treffend. Dann jedenfalls, wenn die Haupt-Maschine einmal aus bleibe. Netter Vergleich, finden wir. Die Einführung des Twin-Engine-Antriebs, der gemeinsam mit Siemens entwickelt wurde, dürfte tatsächlich neue Maßstäbe bei Effizienz und Leistung im Segment der Premium-SUV setzen. Interessant wird es – aus Sicht eines Wassersportlers – erst Recht, wenn es um das Design des neuen T8 geht. Der sieht schick aus – dezent bullig für den wichtigen amerikanischen Markt, dabei aber mit harmonischen, fließenden Linien versehen. Neben dem Kraft versprechenden neuen Kühlergrill stechen vor allem die T-förmigen Tagfahrleuchten ins Auge. Angelehnt an das Werkzeug des legendären nordischen Donnergotts, hat das Design-Team ihnen den Namen „Thors Hammer“ verpasst. Und hier, beim Design, kommt auch einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Naval Architekten ins Spiel: der 1946 in den Niederlanden geborene Rolf Vrolijk. Warum? 1978 gründete der studierte Schiffsbauer zusammen mit Fiete Judel das Büro judel/ vrolijk. Heute betreibt Rolf Vrolijk sein weltweit erfolgreiches Naval Architecture- Unternehmen gemeinsam mit seinem Partner Torsten Conradi. Vrolijk, bis 2010 sogenannter „Principle Designer“ im Americas-Cup-Team ALINGHI von Ernesto Bertarelli, konnte mit dem Schweizer Team gleich zweimal die bodenlose Silberkanne gewinnen. Damit konnte die begehrteste Trophäe des Segelsportes erstmals nach mehr als 150 Jahren wieder nach Europa zurückgeholt werden. Heute konstruiert Rolf Vrolijk neben größeren Regattayachten auch schnelle Cruising-Yachten sowie Motor- und Serienboote. Und: er interessiert sich für Car-Design. Das ist schließlich auch der Grund, warum er bei der Fahrvorführung in El Vendrell dabei ist. Befragt danach, ob es Parallelen bei der Gestaltung von Yacht-Interieurs und Pkw-Innenräumen, beispielsweise wie beim neuen Premium-SUV XC90, gebe, sagt er: „Der neue Volvo ist technisch sehr innovativ. Und er besitzt ein gefälliges Design, außen wie innen. Die Kombination von Leder, Metall und Holz im Innenraum kann man schon fast maritim nennen. Bei dem Holz handelt es sich übrigens um eine spezielle skandinavische Birke. Um die gewünschte Maserung zu erhalten, werden nur gekrümmte Bäume ausgewählt, sogenannte Windflüchter. Eine gute Design-Idee“; insofern passe der neue SUV sehr gut zu seinem Unternehmen. Das sei auch einer der Gründe, warum er sich gern als Testimonial für Volvo zur Verfügung gestellt habe. Sein Unternehmen stehe ganz klar für Performance. Außerdem versuche er, die Träume der Eigner umzusetzen. Das sei ein ganz wichtiger Faktor; „das verbindet unsere Unternehmen auch in gewisser Weise. Was wir nicht tun, ist, dass wir ein Schiff aus der Schublade ziehen und dem Eigner sagen: Das ist das Schiff, was du kaufen kannst. Wir gehen den umgekehrten Weg. Wir fangen immer mit einem weißen Blatt Papier an. Egal, um welches Projekt es sich handelt. Aus diesen Vorgaben und Traumvorstellungen des Eigners versuchen wir dann ein für ihn optimales Projekt zu entwickeln. Wir nehmen ihn an die Hand. Und wir weisen ihn darauf hin, was möglich, aber auch was eben nicht möglich ist. Das ist eine sehr individuelle, sehr persönliche Unterstützung“ Genau das sei es, was sein Büro ausmache. Zurzeit macht Rolf Vrolijks Sohn Alexander Schlagzeilen mit seinem Kleinkreuzer-Projekt BENTE 24. Das wurde auf Social Media gepusht und hat nun nach kurzer Zeit so viel Fans, dass dieses 24 Fuß lange, bezahlbare Einsteiger-Segelboot für Familien tatsächlich in Serie gebaut werden wird. Und spätestens das gäbe dann ein passendes Doppel: vorn der „SUV mit Außenborder“, der T8, als Zugmaschine, hinten, auf dem Trailer, die Bente 24. Funktion trifft Design. Am und auf dem Wasser.

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