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Schwimmende Renditen (von klassischen Yachten als Wertanlage...) - unterwegs in Nevada zum Lake Tahoe
 
Samstag, 27. September 2014

Schwimmende Renditen (von klassischen Yachten als Wertanlage...) - unterwegs in Nevada zum Lake Tahoe

von Matt - Muencheberg

Gewannen den diesjährigen Concours am Lake Tahoe in einer der Kategorien für
Was im Auto-Markt gang und gäbe ist, ist auch im Yachtbereich zu beobachten: Klassiker werden hier wie dort immer öfter als Wertanlage angeschafft. Bei Autos und Booten als Renditeobjekte gilt dabei gleichermaßen: Wer in einen Oldtimer investieren möchte, sollte den Markt realistisch einschätzen. Begehrt sind Autos und Yachten, zu denen man einen emotionalen Bezug herstellen kann. Das kann – bei den Pkw – etwa ein Porsche 911 sein, aber auch ein VW Golf I GTI, bei Motoryachten kommen beispielsweise eine Riva, eine Boesch oder eine Pedrazzini in Betracht – vorausgesetzt, sie befinden sich in einem sehr guten Originalzustand. Gefragt ist, was auf lange Sicht Emotionen weckt. Was im Pkw-Bereich bei Vorkriegsmodellen gilt – abgesehen von Sportwagen und Cabrios sorgen diese heute kaum mehr für Gefühlswallungen – kann sich bei schwimmenden Klassikern ganz anders darstellen. Beispiel Vorkriegs-Chris Crafts: Beim diesjährigen berühmten Concours d`Elegance am Lake Tahoe Anfang August strahlten 23 Barrelbacks (Holz-Motoryachten mit einem halbkreisförmigen Heck), zumeist aus besagter Werft stammend, um die Wette. Zum einen Teil (östlich) liegt der glasklare See im US-Bundesstaat Nevada, das Westufer gehört bereits zu Kalifornien. Alle Yachten befanden sich in originalem Best-Zustand. Wer hier ein „Schnäppchen“ macht, und eines dieser Boote im Urzustand in Form eines Garagen-, bzw. Bootshallen-Fundes entdeckt, kann sich einer lohnenden Rendite sicher sein, vorausgesetzt, er betraut einen Fachmann mit dem schonenden, sich ausschließlich am Original orientierenden Refit. Außerdem sollte die Vita des hölzernen Schätzchens lückenlos dokumentiert werden können – so wie in den allermeisten Fällen bei den am diesjährigen Concours teilnehmenden Barrelbacks, deren Originalzustand mit Kaufurkunden, Werftlisten, Texten, Originalfotos und alten Plänen belegt werden – „nicht ganz unwichtig, wenn es darum geht, die Richter zu überzeugen, dass ein Kabel an einer bestimmten Stelle verlegt ist, der Lack nicht poliert wurde oder der Polsterbezug an bestimmten Stellen im Original blau – und eben nicht rot – zu sein hat“, sagt etwa Andrew Middleton, Sales Consultant bei Absolute Classics Marine, einer auf den Handel mit älteren Chris Crafts spezialisierten Firma aus Kelowna, British Columbia, Kanada. Der eloquente, dabei aber ganz und gar unprätentiöse Geschäftsmann präsentierte beim diesjährigen Concours zusammen mit seiner Frau Susan stolz eine gerade fertig überholte, 19 Fuß lange, toprestaurierte 1941er „Barrelback“-Chris Craft. Seine Geschichte in Kurzform: „Dieses Boot wurde ursprünglich 1940 von einem Mann aus New Hampshire bei einem Chris Craft-Händler in Portland, Maine, für seinen Sohn bestellt“, sagt Andrew. „Der Rumpf mit der Baunummer 48817 wurde schon im Jahr der Auftragserteilung in der Chris Craft-Werft in Algonac nahezu fertiggestellt“, ein interessantes Detail sei, dass das Boot ursprünglich mit marineblauen Polstern bestellt worden war, der Auftraggeber jedoch kurz vor der Fertigstellung seine Meinung geändert hatte: das Boot habe nun mit roten Polstern ausgeliefert werden sollen. Interessant sei das deshalb, weil die Werft zu diesem Zeitpunkt den blauen Bezug schon hinter den Paneelen installiert hatte; ohne eine signifikante Verzögerung habe das nun nicht mehr rückgängig gemacht werden können. So sei das Boot schließlich zweifarbig ausgeliefert worden. Das sei eben kein Restaurationsfehler, sondern mache das Boot – neben anderen Punkten – zu einem durch alte Urkunden belegten, originalen Unikat. „Wir sind sehr stolz auf die Restaurierung des Rumpfes mit der Baunummer 48817, oder der ex-BELJIM, sagt Andrew Middleton etwas aufgeregt am Concours-Freitag. Zu Recht, wie sich bald herausstellen sollte: am Abend desselben Tages verkündete die Jury ihr Urteil. Ihre penibel ausgefüllten Listen belegten nach Auszählung der Punkte eindeutig, dass der erste Platz in der Klasse der Barrelbacks an DIDDIT, ex-BELJIM, geht, die in den Augen der Schiedsrichter „wie ausgeliefert“ bestrestaurierte 1941er 19 Fuss-Chris Craft des diesjährigen Concours d`Elegance mit der Rumpf-Nummer 48817. Sichtlich gerührt präsentierten Andrew und Susan Middleton Urkunde und Glaspokal, als es am abschließenden Concours-Sonnabend gegen 16 Uhr hiess: „Roar off!“ Bei diesem traditionellen, von Teilnehmern und Zuschauern heiß ersehnten Programmpunkt können alle Concours-Teilnehmer noch einmal beweisen, dass ihre Boote nicht nur schön aussehen, sondern, dass auch etwas „unter den Hauben“ der durch die Reihe topgepflegten Klassiker steckt. Mit ohrenbetäubendem Motorengedröhn verließen ein um die andere Yacht ihre Liegeplätze im Tahoe Yacht Club, zwängten sich unter dem Jubel der zahlreich erschienenen Zuschauer unter der engen, vollbesetzten Fußgängerbrücke des Yachthafens hindurch – und legten endlich den „Hebel auf den Tisch“ zu einem letzten Kräftemessen auf dem See – bei der größten und wohl einzigartigen Klassiker-Show auf dem weiten, geheimnisvoll blau schimmernden Lake Tahoe. DIDDIT lieferte den Beweis der langfristigen Werthaltigkeit und –steigerung eines (originalen) Klassikers. Grundlage dafür ist bei den hölzernen, schwimmenden Klassikern – neben dem Top-Restaurierungszustand „wie ausgeliefert“ – zum einen die Endlichkeit der damals hergestellten Boote; zum anderen erfreuen sich schwimmende Klassiker angesichts der immer größer werdenden, gesichtslosen weißen GfK-Bootsarmada in den Häfen immer größerer Beliebtheit. „Back to the Roots“ heißt es für diejenigen, welche es sich leisten können. Wer in diese Form von schwimmendem Luxus investieren möchte, muss jedoch nicht unbedingt mit hohen Summen kalkulieren. Mit etwas Glück findet man noch alte Marken-Yachten für um die 20.000 Euro, so wie die DIDDIT von Andrew Middleton. Der „Scheunenfund von Dresden-Laubegast“ im letzten Jahr war ebenfalls so ein Glücks-Fall für Fans klassischer Yachten: sieben originale, aus Schweizer Fabrikation stammende, klassische Motoryachten wurden beim Kauf einer alten ostdeutschen Traditionswerft „entdeckt“ und standen (bzw. stehen noch) zum Verkauf. Nach einem professionellen Refit können dieselben Boote dann schnell einen Wert im sechsstelligen Euro-Bereich erreichen – zumal wenn sie, wie DIDDIT, mit einer der begehrten Urkunden des Concours d`Elegance ausgezeichnet worden sind. Damit wir uns richtig verstehen: zwar sollten klassische Yachten zuvörderst als das gesehen werden, was sie sind: schwimmende Vermächtnisse, die für die kommenden Generationen zu erhalten sind. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel – und können etwa die hier beschriebenen Oldtimer sein: ohne Rücksicht auf Aufwand und Kosten gepflegten Preziosen mit lückenloser Historie und großer Geschichte.

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