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Anforderungen an eine Marina der Zukunft. Gedankenmachen über das Älterwerden
 
Donnerstag, 14. Februar 2013

Anforderungen an eine Marina der Zukunft. Gedankenmachen über das Älterwerden

von Matt - Muencheberg

Vorbildlich: Marina Kröslin am Greifswalder Bodden, Mecklenburg-Vorpommern, (c) muencheberg-media
Wassertouristische Aktivitäten gewinnen zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Trotz schwieriger Wettbewerbsbedingungen. Sagt zumindest eine neue Studie. Auftraggeber dieser Arbeit ist die Vereinigung Deutscher Sporthäfen im Bundesverband Wassersportwirtschaft. So weit, so gut. Die Hafenbetreiber wollten herausfinden, was sie in ein paar Jahren erwartet – vor allem aber: was die Sportbootbesitzer wollen, beziehungsweise was sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vermutlich so alles wollen werden. Die Firma mediamare aus Wildau fand dabei Erstaunliches heraus. Zum einen gebe es einen Trend zu gewerblich betriebenen Hafenanlagen. Sportboothäfen würden vermehrt als Erlebnisräume wahrgenommen. Immer öfter gehe es um mehr, als nur einen „Parkplatz“ für das eigene Sportboot zu finden.

Doch ein weiterer, viel gravierender Umstand müsse ebenfalls berücksichtigt werden, sagen die Studien-Macher. Wie alt ist der durchschnittliche Bootseigner heute? Falsch! 56 Jahre ist die korrekte Antwort. Die Tendenz: steigend! Seien 2007 noch die 45- bis 59-jährigen die dominierende Gruppe gewesen, so würden in fünfzehn Jahren die 60- bis 74-jährigen die größte Gästegruppe in Sportboothäfen stellen. Droht eine Vergreisung in deutschen Häfen? Mitnichten. Zu erwarten ist jedoch, dass die absolute Anzahl der Bootseigner sinken werde. In den 70er und 80er Jahren sei es der Branche noch gelungen, rund 2,5 Prozent eines jeden Altersjahrganges zu Bootseignern zu machen. Dieser Wert sei aktuell auf ca. 1 Prozent gesunken. Fazit der Studie: Falls es dauerhaft bei diesem Wert bleiben sollte, wird die Anzahl der Bootseigner innerhalb der nächsten 20 Jahren um fast die Hälfte schrumpfen.

Keine guten Aussichten also, glaubt man der Erhebung. Sportboothäfen-Betreiber müssen sich deshalb auf diese Trends einstellen, egal ob es ihnen nun gefällt oder nicht. Sie müssen beachten, dass ältere Wassersportler, nennen wir sie einmal „Best Ager“, einen zunehmenden Bedarf an Service und Wartungsarbeiten haben. Sie können einfach nicht mehr so gut ihr Gepäck oder Ausrüstungsgegenstände zum Sportboot transportieren. Niedrige, schmale und wackelige Stege zum Boot können auf einmal auch große Probleme bereiten. Auch die Schwierigkeiten beim Manövrieren im engen Hafenbecken sowie beim An- und Ablegen nehmen im Alter zu. Daher sei es zum Beispiel sinnvoll, größere Boxen mit Fingerstegen (beidseitig!) anzubieten, aber auch mehr Raum zum Manövrieren im Hafen zu schaffen. Ebenso könnten vereinfachte Dalben mit Hacken und oder Einparkhilfen die Ab- und Anlegemanöver erleichtern helfen. Was das noch mit Wassersport zu tun hat?

Nun, dies ist kein Plädoyer zur Ausgrenzung älterer Segler und Motorbootfahrer. Das Gegenteil ist der Fall. In ein paar Jahren gehören wir selbst dazu. Es geht darum, die Dinge, die es uns erst ermöglichen, unserem schönen und naturverbundenen Hobby zu frönen, im Auge zu behalten. Sonst wird vielleicht eines Tages aus einem Trend eine Katastrophe. Auch und gerade aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet. Von Seiten der Aktiven steht schon jetzt fest, dass der Anspruch an den Komfort bei den Best-Agern wachsen wird. Nach der mediamare-Studie machte sich schon 2011 der Trend bemerkbar, dass Bootseigner eine mit dem eigenen Zuhause vergleichbare Lebensqualität an Bord beziehungsweise im Sportboothafen wünschten. Vielfach werde die Qualität der Sanitäreinrichtungen, die „häufig noch aus der Gründerzeit der Sportboothäfen“ stammten, als problematisch empfunden. Sauberkeit, Hygiene, Intimsphäre, Ausstattung, Temperierung der Räume entsprächen heute oft einfach nicht mehr den Gepflogenheiten und Kundenwünschen.

Eigner von kleinen Sportbooten, die nur begrenzte sanitäre Möglichkeiten und räumlich beschränkte Kajüten aufweisen, seien zudem insbesondere bei Schlechtwetter an Aufenthaltsmöglichkeiten interessiert, und zwar völlig unabhängig von einer gastronomischen Einrichtung. Die Best-Ager seien nicht mehr so agil, verbrächten dafür aber umso mehr Zeit im Hafen. Daher seien für sie auch aktuelle Informationen über landseitige Tourismusangebote wie Event, Kultur- und Sportveranstaltungen enorm wichtig. Durch die zunehmende zeitliche Länge der Hafenaufenthalte wachse bei ihnen zudem auch der Bedarf an einer urlaubsgerechten Infrastruktur im und am Hafen. Möglicherweise bestehe bei einigen der Best-Ager sogar Interesse an Bungalows, Appartements im Hafen oder an schwimmenden Häusern. Schließlich müsse auch über ein größeres Sicherheitsbedürfnis und Barrierefreiheit nachgedacht werden.

Doch die Studie kann auch Erfreuliches vermelden: Ganz entgegen dem Trend zum Älterwerden der Skipper habe sich der Charterboot-Tourismus in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Und das, obwohl aktuell das Angebot an Charterbooten größer als die Nachfrage sei. Der Grund sei ganz einfach: Es gebe einen deutlicher Trend weg vom eigenen Boot und hin zum Chartern. Und: zahlreiche Segler wechselten mit zunehmendem Alter zum Motorboot. So ist heute schon in den Sportboothäfen eine Zunahme von Motorbooten zu verzeichnen. Also: Warum nicht mal wieder chartern? Wenn dann auch noch die Infrastruktur eines Sportboothafens den Ansprüchen der Kunden genügt, steht schließlich auch der mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Zukunftssicherung eines durchschnittlichen Sportboothafens nichts mehr im Weg. Das größte Entwicklungs- und Variationspotential bestehe nach der Studie für Sportboothäfen in der Marktfeldstrategie. Das bedeutet: Für jeden Hafenstandort ist ein eigner Mix an Strategien und daraus abzuleitenden Maßnahmen auszuwählen und umzusetzen. Denn: nicht jeder Sportboothafen könne und müsse alles anbieten können.

Die Studie im Netz: http://www.bvww.org/forschung/forschungsprojekte/vdsh-studie.html.

Was sollte aus Ihrer Sicht eine Marina der Zukunft leisten können?


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