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Gleichen Schutz für alle, Herr Jung!
 
Montag, 12. Januar 2009

Gleichen Schutz für alle, Herr Jung!

von Tahsin Özen

Fregatte Emden. Foto: Deutsche Bundesmarine
Wussten Sie, dass die Disney-Trilogie „Fluch der Karibik“ weltweit 1,65 Milliarden Euro in die Kassen der Filmemacher spülte und somit zu den lukrativsten Produktionen der Filmgeschichte zählt? Der Blick in die Realität: Piraten haben Messer gegen vollautomatische Sturmgewehre, Sprengstoff, Raketenwerfer und Gummischnellboote getauscht – und machen offiziellen Angaben zufolge rund 10 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr, also sechs Mal so viel wie Disney mit seiner Trilogie, steuerfrei versteht sich. Tendenz: steigend – nicht nur im Golf von Aden und am Afrikanischen Horn von Somalia bis Tansania, sondern weltweit. Im Visier der Seeräuber nicht nur Supertanker und Güterkähne, sondern auch Kreuzfahrtschiffe und – Yachten.
Nun hat sich die Politik dieses Problems angenommen, Fregatten und Hubschrauber der Bundesmarine sollen in Krisengebieten Geleitschutz geben. Geht es nach Verteidigungsminister Jung, soll dieser Schutz aber nur Schiffen vorbehalten sein, die unter deutscher Flagge fahren.
Wie bitte? Weiß denn der Herr Minister nicht, dass jährlich tausende deutsche Bürger auf Kreuzfahrtschiffen unter nicht deutscher Flagge über die Weltmeere schippern? Dass unter deutschem Banner meist Güterschiffe mit Billigware aus Fernost unterwegs sind? Und was ist mit all den deutschen Urlaubern, die sich in fernen Gefilden (und unter fremder Flagge) eine Yacht chartern? Wird ihnen abgewunken, wenn sie einen Notruf absetzen, weil ein paar Seemeilen weiter gerade ein deutscher Frachter mit Ramsch aus dem Reich der Mitte „Gefahr im Verzug“ meldet?
Sehr geehrter Herr Bundeverteidigungsminister! Eingedenk der „Le Ponant“, der „Seabourn Spirit“ und nicht zuletzt der im Juni im Golf von Aden entführten Segelyacht mit zwei süddeutschen Staatsbürgern an Bord fordern wir „gleichen Schutz für alle“ – egal, unter welcher Flagge und unter welchen Umständen sie in Seenot geraten.

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