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Ein schönster Platz für einen Sundowner mit einem lieben Menschen (Der Leuchtturm von Flat Island).
 
Dienstag, 23. Oktober 2012

Ein schönster Platz für einen Sundowner mit einem lieben Menschen (Der Leuchtturm von Flat Island).

von Matt - Muencheberg

Einer meiner schönsten Plätze: Das Lighthouse von Flat Island. Welche sind Ihre? Foto (c) nass-press.
Jeder hat sie schon erlebt. Die Plätze, an denen man – mit einem lieben oder dem liebsten Menschen – mit einem Drink in der Hand dem steten Sinken der Sonne beiwohnt, die letzten Strahlen wärmen das Gesicht von außen, der Alkohol tut seinen Teil zur inneren Wohlfühl-Temperatur, man verblitzt sich ein wenig die Augen vom ständigen In-die-Sonne-Starren, und – genießt. Andächtige Stille. Das Cafe del Mar ist so ein Ort. Begleitet von Wohlfühlmusik gibt es auf Ibiza sogar Szenenapplaus, wenn der rote Feuerball schließlich ganz verschwunden ist. Die Steine auf der Seychelleninsel La Digue sind auch so ein schönster Platz, der sich ins Gedächtnis eingräbt. Bei mir waren es außerdem – bisher – eine kleine Insel der Inneren Hebriden (hier mutierte der Sundowner zu einem Lagavulin 16), der Strand von „Ivans Stressless Bar“ auf den BVI, das Hard Rock Cafe auf Hawaii und der zum Hafen und zur Bay ausgerichtete Balkon meines Zimmers im Hotel The Rock auf Gibraltar. Letzte Woche ist wieder so ein schönster Platz für einen Sundowner mit einem lieben Menschen dazugekommen. Doch der Reihe nach. Ob das gut geht? – Als der gutmütige Katamaran vom Typ Lagoon 380 das Riff passiert, welches in einem großen Oval die Inseln Flat Island und Gabriel Island vor der Nordspitze von Mauritius umschließt, halten Crew und Gäste für einen Augenblick den Atem an. Nur Skipper Gibet Jude bleibt völlig cool. Konzentriert bedient er die Hebel der beiden marinisierten Eibaumaschinen, gibt mal auf der Backbord-, dann wieder auf der Steuerbordseite etwas mehr Schub. Spielerisch umfassen die schlanken Finger seiner dunklen Hand dabei das wagenradgroße Steuer, wirbeln es hin und her. Ein wenig tricky sei die Passage des nur etwa 12 Meter breiten Tores schon, gekennzeichnet nur durch zwei rostige, verbogene Eisenstangen, gibt der zweiundvierzigjährige Mauritier afrikanischer Abstammung zu. Doch wer Wind, Strömung und den etwa einen Meter betragenden Gezeitenunterschied beachte, sei auf der sicheren Seite, versichert der versierte Skipper. Seit neun Jahren steuert der in Bain Boef am Cap Malheureux lebende Riff-Segler, von seinen Freunden nur kurz englisch J.B. gerufen, durch die malerische Inselwelt des Indiks. Immer mit dabei ist Crewmitglied Vincent Marie Jeanne. Zu den Inseln gehören neben Mauritius selbst vor allem Flat Island, Gabriel Island und Gunners Quoin im Norden sowie die östlich gelegene Ile aux Cerfs, erklärt der 29jährige Marie Jeanne aus Grand Baie. Die beiden Schiffsleute lieben das Meer. Und sie lieben ihren Job. Auch wenn der ihnen nicht mehr als umgerechnet knappe zehn Euro am Tag einbringt. Nun steht der Sommer vor der Tür, Hauptsaison auf der 800 Kilometer östlich Madagaskars und oberhalb des südlichen Wendekreises liegenden Insel, von der schon Mark Twain meinte, Gott habe das Paradies nach dem Vorbild dieser Maskareneninsel geschaffen. Der Sommer beginnt im Dezember und endet im Februar. Die beste Zeit, um unbeschwert unter weißem Tuch dahingleitend, die zumeist unbewohnten kleineren, vom nächsten (dem afrikanischen) Festland 2.000 Kilometer entfernten Eilande auf eigenem Kiel zu erkunden. Doch nur mit einem flachgehenden Katamaran können die Lagunen mit den schönsten weißen Stränden und kristallklarem Wasser gut und sicher erreicht werden, rät J.B. Grund: Für seegehende Monohulls sei das Revier einfach nicht tief genug, man komme mit Kielbooten nicht nahe genug heran. So erklärt es sich auch, dass in den wenigen Yachthäfen von Mauritius, etwa in Grand Baie oder an der Mündung des Black River an der geschützten Westküste der Insel, nur wenige Einrumpfer mit der rot-blau-gelb-grünen Landesflagge am Heck zu finden sind. Die meisten von ihnen sind Blauwassersegler, die auf ihren long legs über den Pazifik oder um die Welt auf den Maskarenen-Eilanden Mauritius, Réunion und Rodrigues nur einen – meist allerdings längeren – Zwischenstopp einlegen. Doch neben der guten Erreichbarkeit auch der verstecktesten Strände und geschützter Lagunen sowie der zumeist preiswerteren und individuelleren Art des Urlaubens als in einem der zahlreichen Hotelneubauten entlang des Strandes hat das Segeln mit einem Kat entlang der mauritischen Küste noch weitere, entscheidende Vorteile: Heisst man etwa am Morgen nur früh genug die Segel auf, hat man die schönsten Plätze, etwa auf der Ile aux Cerfs im Osten oder vor der Ile aux Benetiers nordöstlich von Le Morne am südwestlichen Zipfel der Insel, für ein paar Stunden ganz für sich allein, bevor am Vormittag die meist überfüllten, lauten Tagescharterboote kommen. Einen Besuch wert ist auch das fischreiche und flache Gebiet zwischen den Nordinseln Flat- und Gabriel Island, wo der 38 Fuß (knapp 12 Meter) lange Segel-Kat Ti` Frére (Kleiner Bruder) an einer Muring-Boje festgemacht hat. Wer von der aktiven Beteiligung an den Segelmanövern, vom Schnorcheln und Schwimmen noch nicht genug hat, kann den etwa 100 Meter hohen, alten Leuchtturm von Flat Island, der die herannahenden Boote schon von Ferne mit seinem zuckenden Lichtstrahl grüßt, besteigen. Der Weg nach oben ist zwar dornenreich, aber der Aufstieg lohnt: Denn vom Turm aus bietet sich dem Betrachter ein phantastischer Rundumblick auf die vorgelagerte Insel Gunners Quoin und das sich dahinter aus dem Meer hebende Festland der fast völlig von einer unterseeischen Mauer aus Korallen umschlossenen Hauptinsel, die schon Charles Darwin erforschte. Gut auszumachen von dem weißgetünchten Schiffahrtszeichen mit der roten Haube ist auch die nur stecknadelgroß scheinende schmale Einfahrt in die Lagune zwischen Flat Island und Gabriel Island. Direkt vor dem hübschen Turm befindet sich ein kleines steinernes Plateau. Noch einen Schritt weiter, und man landet unweigerlich im Indik – nach ca. 100 Meter freien Falls. Hier machen wir es uns gemütlich. Warten, bis die große rote Sonnenscheibe Stück für Stück im Meer versinkt. Was für ein Anblick. Wir verschmelzen mit dem Himmel, dem Meer, ja dem gesamten Universum. Die Gedanken sind weit. Der Sundowner – in diesem Fall ein weißer Local Rum – verfehlt seine Wirkung nicht. Ich muss nocheinmal hierher, ganz klar. Dann mit meinem liebsten Menschen. Dem habe ich von meinem Plan noch nicht erzählt. Es soll eine Überraschung werden. So, wie ich überrascht wurde von dem grandiosen Ausblick, von diesem Gefühl, das noch größer und stärker wird, wenn man es teilt.

Wo sind Ihre schönsten Orte für einen Sundowner mit einem liebsten Menschen? Das Kommentarforum ist eröffnet. Einzige Bedingung: Der Ort sollte mit einem Boot zu erreichen sein. Aber das sollte nicht schwerfallen, meint Ihr Matt. Müncheberg, info@muencheberg-media.com.

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