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Privado! Oder wie sich ein idyllisches Dorf vor den Massen schützt.
 
Montag, 08. Dezember 2008

Privado! Oder wie sich ein idyllisches Dorf vor den Massen schützt.

von Tahsin Özen

Cala Vadella
Von den vielen traumhaften Ibiza-Buchten ist die der Calla Vadella wohl die schönste. Natürlich nur, wenn man die Zivilisation sucht (weil man muss, beispielsweise aus Seenot, meist aber, weil man nicht anders kann, da hoch über der Calla Vadella Edeltraut im Gastgarten ihres Restaurante Phoenix mit dem schärfsten Barbecue der Welt frohlockt wie einst die Sirenen Odysseus mit Ihrem Gesang).
Nach drei Tagen lustvollem Eremitendasein in stillen Buchten nehmen wir nun also erstmals auf dem Seeweg Kurs auf Calla Vadella, laufen ein in die gut versteckte und daher auch gut geschützte Bucht mit dem romantischen Dörfchen, das seltsamerweise seine Ursprünglichkeit bis heute bewahren und sich erfolgreich gegen den Massentourismus wehren konnte.
Eine handvoll Anlegebojen lachen uns an – doch auf jeder, der wir uns nähern, hat sich ein gewisser „Privado“ in dicken Lettern verewigt und scheinbar alle Rechte gesichert. Als wir in Versuchung geraten, heften sich argwöhnische Blicke eines alten Mannes auf einer noch älteren Jolle (die mit der Privado-Anlegeboje, an der sie hängt, schon seit dem Mesozoikum verwachsen zu sein scheint) auf uns. Der Parkwächter?
Mit unserem Unmut versenken wir schließlich auch den Anker unserer Bavaria 46 etwas abseits der Bojen, um hernach mit großer Vorfreude zu Edeltraut aufzufahren. Endlich am Etappenziel, genießen wir nicht nur saftige Steaks und frisch gezapftes Bier, sondern auch den sanften Sonnenuntergang hinter der Bucht samt ihren vorgelagerten Inseln.
Die eigentliche Rechnung bezahlen wir erst am nächsten Tag: der Anker ist weder zu sichten noch zu lichten. Zu Hilfe eilt „Don Rolando“, ein ehemaliger deutscher Bundeswehr-Taucher, der im Dorf eine Tauchschule sein eigen nennt. Der „Pannendienst“ sei aber auch sehr lukrativ, wie er uns verrät. Denn nur „Touris“ würden hier den Anker werfen, wo der Grund doch voll ist mit Tauen und Ketten der zum Großteil illegal gepflanzten Bojen. Insider würden sich an „Privado“ halten.
Wir hadern nicht mit unserem Schicksal, auch wenn uns das hämische Grinsen des vermeintlichen Parkwächters bis um die nächste Landzunge begleitet. Wir haben ja schließlich eines der Geheimnisse gelüftet, mit der sich das Märchendorf Cala Vadella vor den anstürmenden Massen schützt – und geloben, es niemandem weiterzusagen!

Kommentare zu dieser Kolumne
Geerd Philipsen08.12.2008 10:07 Uhr
Danke für die Aufklärung der Ankersituation in der Cala Vadella. Wollte ich schon immer wissen.
Walter Rennefeld09.01.2009 21:16 Uhr
Vielen Dank für den Tip. Das ersparte Geld für den Taucher werden wir in Bier und Steaks anlegen.
Harald Winkler28.08.2009 09:55 Uhr
Ich kenne diese Bucht schon seit ca.16 Jahren und denke,daß dies eines der schönsten und ruhigsten Fleckchen auf dieser Welt ist.Wer meint,hierher kommen zu müssen,dem sei gesagt:Hier ist nichts los!Hier ist nur Ruhe und Abgeschiedenheit,keine Disco,kein Suff,keine Snobs,keine Alternativies, nur Familien mit kleinen Kindern am Strand die ein bisschen Ruhe suchen.Früher gab es noch einige freilaufende,wild lebende Hund und Katzen,die sind heuer weg.Also Leute,behaltet es für Euch,damit es so bleibt.Das ist übrigens auch im Sinne der Dorfbewohner.

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