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Alles ein Land. Von Expeditionen unter weißem Tuch (die Pangäa-Tour)
 
Montag, 15. September 2008

Alles ein Land. Von Expeditionen unter weißem Tuch (die Pangäa-Tour)

von Matt - Muencheberg

1966 - ein gutes Geburtsjahr,
Das Wort Expedition bezeichnet eine Forschungsreise in unbekannte Gebiete, dozierte vor ein paar Tagen mein Freund Hein. Ob ich einen jungen Mann namens Mike Horn kenne? Ja, entgegnete ich, das sei doch der Südafrikaner, welcher allein Südamerika durchquerte, anno 1997. Der Abenteurer und Entdecker Mike Horn fuhr tagsüber mit einem Hydrospeed den Amazonas entlang und lebte und jagte abends und nachts autonom am Flussufer. Zwei Jahre später umrundete der in Johannesburg geborene Südafrikaner die Erde entlang des Äquators. Den Atlantik überquerte der studierte Sportwissenschaftler von der Westküste Afrikas aus Richtung Brasilien. Den Weg von dort bis Ecuador legte er zu Fuß, per Fahrrad und mit einem Kanu zurück. Im Oktober 2004 folgte die nächste Extremleistung: Horn umrundete den Polarkreis in zwei Jahren und drei Monaten. Allein, wiederum zu Fuß, per Skikite, mit einem Kanu und einem Segelboot. Zwei Jahre später erreichten Horn und der Norweger Borge Ousland dann als erste Menschen überhaupt ohne Hunde oder motorisierte Transportmittel den Nordpol. Sechzig Tage und fünf Stunden benötigten die beiden, um in der permanenten Dunkelheit der arktischen Wintermonate ihr Ziel zu erreichen. Ob es der Mike Horn sei, den mein Freund Hein meinte, fragte ich.

Ja, kam die erstaunte Antwort Heinsens. Ob ich denn auch das neueste Unterfangen des im besten Wortsinne als Expeditionsleiter, nämlich jemand, der eine solche Entdeckungsreise in unbekanntes Terrain führt, zu bezeichnenden 42jährigen kenne? Nein, musste ich zähneknirschend entgegnen. Weit länger, nämlich vier Jahre, solle nun Horns nächste Expedition dauern, fing Hein an zu erzählen. Motto: Explore, Learn, Act (Entdecken, Lernen, Handeln). Pangäa nenne er das aktuelle Vorhaben. Das sei griechisch und bedeute Alles ein Land, Bezeichnung für den letzten globalen Superkontinent, der vor mehr als 250 Millionen Jahren auf der Erde existierte. Der Begriff stehe außerdem als ein sogenanntes Initialwort für Pan Global Adventure for Environment Action.

Im Mittelpunkt des über 100.000 Kilometer langen Abenteuers, das den Nord- und den Südpol erreichen und alle Kontinente und Meere durchqueren soll, stehe die 35 Meter-Aluminiumyacht Pangäa, die eigens für das Abenteuer entworfen und gebaut worden sei.

Aha, sagte ich. Hein hatte meine Neugier geweckt. Doch wozu das Ganze, fragte ich. Nun, mit der Ketsch, einem Anderthalbmaster also, bei dem der vordere Mast der größere ist, belehrte mich Hein, wolle Horn verstärkt Menschen für die Umweltproblematik sensibilisieren. Etwa durch die Einbindung von insgesamt 144 jungen Erwachsenen bis zu 20 Jahren, die ihn auf seinem Extremtrip rund um die Welt begleiten sollen. Bei jedem einzelnen Abschnitt der Expedition sollen eigens angestellte Lehrkräfte den Kindern und Jugendlichen das fragile Zusammenspiel von Mensch und Natur nahe bringen. Wasser- und soziale sowie Projekte zu Ökosystemen sollen den Trip in ausgewählten Regionen der Expedition begleiten.

Dass auf der Pangäa alles öko ist, werde übrigens schnell klar: Das fange bei der Verwendung des Baustoffes Aluminium für den massigen Rumpf an (Horn: Nach der Expedition können wir den Rumpf zu nahezu einhundert Prozent recyceln), beinhalte die Verwendung von Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie und Solarkollektoren zur Energiegewinnung und umfasse eine penible Müllvermeidung und Mülltrennung an Bord.

Woher nimmt einer wie Horn nur seine Energie für ein solch ambitioniertes Vorhaben, denke ich bei mir, während Hein spricht und spricht. Normale Menschen laufen Marathon, fahren Fahrrad oder gehen ins Fitnessstudio, um sich zu schaffen. Nicht so Mike, sagt Hein, als habe er meine Gedanken erraten: Marathon, Iron Man, das habe er, Horn, alles schon längst mehrfach ausprobiert, sagt Hein, Langweilig sei das auf Dauer für einen wie ihn gewesen, Horn habe einfach zuviel Energie, sagt Hein.

Nun, eine ganze Menge an purer Energie wird der Südafrikaner mit Wohnsitz in der Schweiz wohl benötigen für seine neuerliche Expedition. Denn dort, wo sein Boot, die Pangäa, nicht wird segeln können, geht Horn zu Fuß, etwa in der Arktik oder am Südpol, höre ich.

Mike Horn habe ihm sogar ein Buch geschenkt, sagt Hein freudig erregt, mir dieses auch schon unter die Nase haltend. Das beschreibe die letzten Abenteuer des Entdeckers im Polarkreis, preist Hein das gebundene Werk an. Mir fällt die Widmung auf, welche jemand, scheinbar war es der Abenteurer selbst, mit flottem Schwung aufs Deckblatt geschrieben hat. Die scheint mir exemplarisch für einen wie Horn, für einen echten Expeditionsleiter eben: What we dream, we can do!, steht da.

Wow! Recht hat er, der Mike, findet Ihr Matt. Müncheberg, info@muencheberg-media.com.

(Jugendliche, die sich für die Teilnahme am Young Explorers Programm der Pangäa-Expedition interessieren, können sich auf Horns Website www.mikehorn.com bewerben. 144 können nach einem Auswahlverfahren mit dabei sein).


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