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Der Schluck danach: Vom Lohn gelungener Anlegemanöver (Wein in Sizilien).
 
Montag, 14. April 2008

Der Schluck danach: Vom Lohn gelungener Anlegemanöver (Wein in Sizilien).

von Matt - Muencheberg

Jetzt einen guten Schluck: Festgemacht im Hafen von Giardini Naxos am Fuße Taorminas, Blick auf die Blaue Lagune. (c) nass-press.
Wer auf eigenem Kiel vor der Ostküste Siziliens kreuzt, sollte sein Reisebudget unbedingt um den Posten Vino di Sicilia aufstocken, meint mein Freund Hein. Die Anlage lohne. Dass wir uns nicht falsch verstehen, sagt er: Segler seien Segler. Und keine Trinker. Höchstens Genießer. Beim Segeln gelte striktes Alkoholverbot.

Gute Gelegenheit, sich einen Schluck zu genehmigen, gibt es zumeist im Hafen. Nach dem geglückten Anlegemanöver. Dass das Festmachen der Heckleinen am Kai indes nicht ganz unproblematisch ist, zeigte sich unlängst im Hafen von Giardini Naxos nur wenige Meilen nördlich von Giarre: Es war Vorsaison, die Yachtstege am Fuße der ungewohnt leeren Touristen-Hochburg Taormina noch nicht ausgebracht. Der südliche Hafenteil: flach. Die wenigen freien Plätze am Betonkai: sämtlichst von Fischerbooten belegt. Vor uns: Ein Wrack lässt sich mehr erahnen als sinnlich wahrnehmen! Die Springleinen laufen scheinbar wirr durcheinander. Sie machen ein Anlegen auch an den allerletzten freien Metern grauer Wand schier unmöglich. Da hilft nur das direkte Gespräch mit den Fischern. Die helfen gern, geben Tipps, lösen Leinen ? und schauen neugierig zu.

Natürlich dreht der Wind und frischt plötzlich stark auf; just in dem Moment, als unsere Yachten vor Buganker mit dem Heck Richtung Kai treiben. Eine typische Leegerwall-Position, auch das noch, meint Hein. Ob der Anker hält? Über allem thront gelassen der Ätna. Rauchsäulen steigen aus seinem nahen Hauptkrater. Doch das Geschirr hat sich eingegraben. Das Anlegemanöver ist geglückt. Die späte Sonne taucht Yachten und Hafen in goldenes Licht.

Jetzt einen guten Tropfen: Einen Muskatwein. Natürlich aus Sizilien. Denn: Die größte Insel des Mittelmeeres ist gleichzeitig das größte Weinanbaugebiet Italiens. Weinbau wird auf der Insel vor der Stiefelspitze Italiens seit Urzeiten betrieben, weiß Hein zu berichten. Sagenhaft sei einst der Ruhm des hier hergestellten Marsalaweines gewesen. Ebenbürtig habe er neben Sherry und Madeira gestanden. Doch zurück zum Muskat: Aus dem äußersten Süden der Insel stammt der goldgelbe, schäumende oder likörige Muskatwein mit der D.O.C. (bedeutet: Denominazione di origine controllata ? eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung) Moscato di Noto. Weitere Muskatweine heißen hier Moscato di Siracusa oder Moscato di Pantelleria. Letzteren gibt es auch als Passito, aus getrockneten Trauben also ? mit oder ohne Zusatz von Alkohol, und als Schaumwein.

Alle haben eines gemeinsam: Sie sind aromatisch, goldgelb bis amberfarben und mehr oder weniger süß. Die Crew entscheidet sich für einen klar amberfarbenen sechzehnprozentigen Vino liquoroso von der Azienda Vitivinicola Corrado Assenato aus dem nahen Avola. Intensiv und harmonisch, mit einem Geschmack von Honig und Orange ? das passt. Es hat abgeflaut. So schnell, wie die Böen über uns hergefallen waren, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Sanft schwoien die Boote im Hafenwasser, ruckeln sanft an ihren Festmachern. Die goldgelbe Flüssigkeit bewegt sich träge mit. Das Erdenrund ? ein Paradies: Durchatmen. Die Augen schließen. Sich von der Sonne im Gesicht kitzeln lassen. Und den Muskatgeschmack im Gaumen spüren. Ein Hoch dem Hochgenuss!

Auf einmal sieht der feuerspeiende Berg gar nicht mehr so gefährlich aus. Auch er, Berg der Berge, ist ein Weinfreund: Rot-, Rosé- und Weißweinen mit der kontrollierten Herkunftsbezeichnung Etna hat er seinen bekannten Namen geliehen. Angenehme Tropfen sind das: Der weiße gilt als frisch und hat den charakteristischen Duft der Carricanterebe. Der Rote kann bis zu 20 Jahre alt werden und schmeckt vollmundig und warm, der Rosé entsprechend etwas frischer.

Wer will, kann bei einem Ritt auf der Kante entlang der dünn besiedelten Küste Siziliens gleich mehrere Weingüter besuchen: Avola gleich südlich von Syrakus lädt ein, einen kräftigen Nero d`Avola zu goutieren. Oder einen fruchtig-intensiven Bianco d`Inzolia. Oder eben einen Muskat. In Santa Venerina zwischen den Yachthäfen Riposto im Norden und dem südlich gelegenen Aci Trezza wird roter, weißer, roséfarbener und verschiedene Sorten Brut der Marke Murgo hergestellt. Auch einen wohlschmeckenden Grappa kann man auf der Azienda Agricola direkt an der Via Zafferano testen.

Ein Lob auf das Segeln am Fuße des Ätna: Insbesondere in der Vorsaison, wenn die Yachten noch fast allein unterwegs sind, sei das Dahingleiten unter weißem Tuch empfehlenswert, meint Hein. Recht hat er. Doch: Was wäre der schönste Törn zwischen der Stretta di Messina und der Isola di Capo Passero wert ohne die Aussicht auf einen wohlschmeckenden, vollmundigen, guten Tropfen.

Wie schon gesagt: Nach dem Törn. Gemeinsam. Im Hafen. Nach einem gelungenen Anlegemanöver. In diesem Sinne: Auf Ihr Wohl, oder besser: Cincin!
Herzlichst, Ihr Matt.Müncheberg,
info@muencheberg-media.com.


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